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ALTERSHEIM UND PFLEGEHEIM BLUMENAU ARCHIV 16.05.02
Generationen zusammen
Die Blumenau ist ein Mehrgenerationenhaus. Und das gleich in verschiedener Hinsicht. Auf der einen Seite führen wir die Blumenau in zweiter Generation. Auf der anderen Seite sinddie Menschen bei uns nicht einfach betagte oder alte Personen. Sondern es leben auch zahlreiche Frauen und Männer im Vorrentenalter im Heim. So führen wir eine Tradition weiter, die in der Gründungszeit als erste schweizerische Trinkerinnenheilanstalt begann. Schon damals fanden jüngere Menschen den Weg in die Blumenau. Heute leben drei Generationen von Bewohnern unter dem gleichen Dach. Wir können jeden Tag erleben, wie das Zusammensein dieser drei Altersgruppen Dynamik in unser Haus bringt. Natürlich gibt es dabei auch Auseinandersetzungen.
Schliesslich leben hier
Menschen mit völlig unterschiedlichen Erfahrungen
und Erlebnissen zusammen.
In den weiteren Texten machen sich jüngere
Bewohnerinnen und Bewohner Gedanken
über ihr Leben. Es sind spannende Gedanken,
die uns Anregungen geben, die uns aber insgesamt
auch in unserer Arbeit bestätigen.
«Hier leben die Leute noch», wird einmal mit
Nachdruck gesagt. Und das ist für uns ein
grosses Kompliment.
Ursula und Felix Graf
Vier jüngere Bewohnerinnen und Bewohner der Blumenau erzählen uns über ihr Leben. Die Altersbandbreite ist nämlich beeindruckend: Der jüngste Bewohner ist 46 Jahre alt, die älteste Bewohnerin zählt sage und schreibe 102 Lebensjahre.
DER MALER UND MUSIKER
Laszlo Niederecker ist 70 Jahre jung. Der gesellige Mann fühlt sich wohl hier. «Ich möchte mit niemandem tauschen», sagt er. Denn in der Blumenau habe er Gesellschaft und gleichzeitig die Ruhe, wenn er sie suche. 1956 flüchtete Laszlo Niederecker aus Ungarn und kam später über Deutschland in die Schweiz. Seit etwa zweieinhalb Jahren lebt er im Heim. Jetzt freut er sich über sein nach der Renovation originell ausgestaltetes Einerzimmer. Es sei ein schöner, heller Wohnraum und biete ihm die Möglichkeit seinen grossen Leidenschaften, dem Malen und Musizieren nachzugehen. Neben der Staffelei steht dann auch eine elektrische Orgel. Regelmässig besucht Herr Niederecker mit dem Moped seine beiden in Pfäffikon lebenden Schwestern. Auch mit seiner Frau hat er noch Kontakt. Zwar lebten sie nach 27 Ehejahren getrennt, doch seien sie Freunde geblieben, versichert Laszlo Niederecker. Er mache gerne seine Spässe, er freue sich jedes Mal, wenn er jemanden zum Lachen bringt. Und gebe es einmal Streit, so versuche er zu schlichten, sagt Laszlo Niederecker weiter. Für ihn zähle nur der Mensch und man
glaubt es ihm sofort, wenn er sagt: «Ich habe sie alle gern.»
DER KRITISCHE GEIST
Dieter Kirchhoff wird 65 Jahre alt. Er würde bald pensioniert, wenn nicht sein Unternehmen in der Rezession der neunziger Jahre fusioniert hätte. Der Handelskaufmann und Buchhalter war einer von vielen, die in diesen Jahren ihre Arbeit für immer verloren. Dieter Kirchhoff liest viel Zeitungen und Zeitschriften und seit einem Jahr surft er durchs Internet. Den Anstoss und Support dazu erhält er vom stellvertretenden Heimleiter und Computer Fachmann Markus Plüss. Darüber ist er froh, denn eigentlich macht er das fast am liebsten. Oft ist es für ihn langweilig, da die Gesundheit seiner Unternehmungslust Grenzen setzt. Positiv seien die regelmässigen Busfahrten nach Bauma. Denn die Blumenau liege schon etwas abgelegen. Gut sei aber, dass in den Gebäuden nicht geraucht werde, stellt er weiter fest, und drückt seine Zigarette im Aschenbecher aus. Es gebe auch Negatives in der Blumenau wie überall, sagt er. «Doch das nehme ich in Kauf, weil das Positive überwiegt.» Als Beispiel führt er an, dass sich alle gegenseitig nach ihren individuellen Möglichkeiten helfen.
DIE HERZLICHE TIERFREUNDIN
Margrith Rüegg freut sich auf ihr neues langhaariges Meerschweinchen. Ihr anderes Meerschweinchen sei nämlich gestorben. Im Moment müsse sie sich nur um den Hasen kümmern. Die Frau Mitte 50 liebt Tiere. Schon als Schulkind hatte sie zu Hause eine Katze. Diese Katze habe sie jeweils auf dem Weg zur Schule begleitet, erinnert sie sich. Margrith Rüegg kennt die Blumenau gut. Sie lebt schon einige Jahre hier. Früher arbeitete sie tatkräftig in der Küche mit, heute muss sie sich aus gesundheitlichen Gründen auf kleinere Reinigungsarbeiten rund ums Haus beschränken. Sie kenne viele der anderen Pensionäre hier, mit einigen sei sie befreundet. Besonders freut sie sich über die regelmässigen Treffen zum Kaffee mit einem Bewohner, den sie gut mag. Gemeinsam verbringen sie den Abend mit Fernsehen und einem Glas Wein. Doch die Blumenau sei ihr Daheim sagt sie. Und seit dem Umbau lebt sie im Haus Tulpe und freut sich über ihr grösseres Zimmer.
DIE GROSSE AUSNAHME
Antje Eckertz ist eine quirlige vitale Frau von 59 Jahren. «Ich bin eine grosse Ausnahme», sagt sie. Und das ist sie wirklich. Sie arbeitet und isst in der Blumenau, verbringt aber ihre Freizeit in einer eigenen Wohnung im nahen Weiler Lipperschwendi. Die gelernte Physiotherapeutin zog von Winterthur nach Bauma. Sie sorgt sich sehr um die anderen Bewohnerinnen und Bewohner. Zu
ihren Aufgaben gehöre es, führt sie aus, sich mit den Leuten zu unterhalten, zu spielen, Bewegungsübungen zu machen oder mit ihnen spazieren zu gehen. Sechs Mal wöchentlich liest sie morgens vor, einmal wöchentlich trifft sich die Singgruppe unter ihrer Leitung. Alle ihre Aktivitäten werden in Gesprächen mit dem Mitarbeiterteam abgestimmt, sagt
sie. Sie sei in ihre Aufgaben hineingewachsen. Mit der Zeit ergäben sich sehr starke Bindungen. Für sie sei es dann jeweils sehr schwierig, wenn jemand sterbe. Antje Eckertz lebt spürbar für ihre Aufgabe. Sie gibt den Menschen Gesellschaft und Freundschaft. Genau das erhält sie von ihnen auch zurück. Was für sie den das wichtigste sei? Die Antwort kommt sofort: «Das Leben lebenswert machen: Hier in der Blumenau leben die Menschen noch.»NEUE NAMEN FÜR UNSERE HÄUSER
Wir haben unseren vier Häusern neue Namen gegeben. Bezeichnungen wie der Neubau, unteres Haus und Rohr haben sich immer wieder als wenig ansprechend erwiesen. Deshalb nennen wir unsere Gebäude jetzt «Blumenau» (für das Haupthaus), «Rose», «Tulpe» und «Flieder» für die anderen drei Gebäude. Wir sind überzeugt, dass sich diese neuen Namen schnell einbürgern werden. Mit diesen neuen Namen erscheinen die Häuser auf der Übersichtstafel bei der Einfahrt. Auf dieser Tafel wird auch der Parkplatz deutlich markiert sein. Aus Gründen der Sicherheit gibt es ausserhalb des Parkplatzes keine Möglichkeiten mehr, ein Auto abzustellen.
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